Unsere Aufgabe, unsere Ziele

Die Behandlung entzündlichen Rheumas kann wegen guter Forschungsergebnisse immer erfolgreicher, aber auch nebenwirkungsträchtiger werden. Auch setzen die Erkenntnisse, dass Frauen und Männer unterschiedliche Häufigkeit und Ausprägungen bei rheumatischen Erkrankungen haben, neue Akzente. Für die Betreuung der Betroffenen ist eine Steuerung der Diagnostik und Therapie durch Fachärztinnen und Fachärzte für Rheumatologie dringend erforderlich. Diese Fachärztinnen und Fachärzte werden aber immer weniger, so dass zur Vorbeugung des Facharztmangels neue Versorgungswege nötig werden, um die rheumatologische Versorgung von Frauen und Männern zu gewährleisten und möglichst sogar noch zu verbessern. Die genaueren Informationen zu diesen Zielen können Sie in den einzelnen Feldern nachlesen.

Ausgangsituation

Ca. 2 Prozent der Bevölkerung leiden an entzündlich rheumatischen Erkrankungen. Da sie von Anfang an chronisch verlaufen und früh Schäden setzen, stellen sie für die Betroffenen eine erhebliche Belastung dar; sie bergen sogar das Risiko, früher als der Bevölkerungsdurchschnitt zu sterben. Die häufigsten rheumatischen Krankheiten sind die Rheumatoide Arthritis und die verschiedenen sogenannten Spondyloarthritiden, bei denen auch die Wirbelsäule mit betroffen sein kann.
Frauen sind bei den meisten rheumatischen Krankheiten häufiger und schwerer betroffen. Bei der Rheumatoiden Arthriis beträgt das Verhältnis von Frauen zu Männern ca. 3 :1, bei der Systemischen Sklerose sogar 8 – 20 : 1 (1) Die Erkrankungen bei Frauen sind schwieriger zu therapieren: Frauen erreichen seltener einen Stillstand der Rheumatoiden Arthritis als Männer. (1)
Die ersten Folgeschäden treten bereits kurz nach Beginn der Erkrankung auf; auch hier sind die Frauen besonders betroffen. (7) Oft werden diese Erkrankungen aber erst sehr spät richtig erkannt und damit erst dann therapiert, wenn die Folge- und Begleitschäden bereits eingetreten sind.
Mit den heutigen Therapiemöglichkeiten kann aber z.B. die Rheumatoide Arthritis in mehr als der Hälfte der Fälle weitgehend zum Stillstand gebracht werden. (3) Es ist so, wie man es bereits bei Krebserkrankungen erkannt hat: je früher die Krankheit erkannt wird, umso besser und erfolgreicher kann sie behandelt werden!

Woran liegt die späte Erkennung der rheumatischen Erkrankungen:
  • Zu wenige Ärzte kennen die spezifischen Symptome der entzündlich rheumatischen Erkrankungen und ihrer Folgen.
  • Es gibt zuwenig Fachärztinnen und Fachärzte für internistische Rheumatologie.
  • Die Priorisierung und Organisation der Überweisungswege ist unzureichend.
  • Die Langzeitbetreuung ist ungleichmäßig wegen der verschiedenen betreuenden Institutionen.

Literatur (1):
Mau, W. Bereiche und Kosten der Fehl-, Unter- und Überversorgung von Patientinnen am Beispiel der rheumatoiden Arthritis.
Wissenschaftliches Gutachten die Enquetekommission „Zukunft der frauengerechten Versorgung in NRW“ des Landtages von Nordrhein Westfalen, vorgelegt am 18.2.2004

Literatur (3):
Puolakka, K. et al. Impact of initial aggressiv drug treatment with a combination of disease modifying antirheumatic drugs on the development of work diability in early rheumatoid arthritis: a five year randomized follow up trial.
Arthritis rheum 2004; 50:55-62

Literatur (7):
Westhoff,G., Edelmann,E., Zink,A.. Das Zuweiser-Projekt. Symptomdauer bis zur Erstvorstellung beim internistischen Rheumatologen.
Rheumamanagement 2009; 1:13-5

Unsere Ziele: Was wir verbessern wollen

Die Analyse der Ausgangssituation hat unsere Ziele geprägt.

Wir wollen, dass:
  • die entzündlich rheumatischen Erkrankungen deutlich früher erkannt werden und damit schneller und besser therapiert werden,
  • ein koordiniertes Akut-Management die Krankheitsaktivität deutlich verringert,
  • die krankheitsbedingten physischen und psychischen Beeinträchtigungen der Betroffenen gemindert werden,
  • die Folgeschäden vermieden werden,
  • die geschlechterspezifischen Effekte der rheumatologischen Krankheitsbilder besser kennen zu lernen und adäquat zu therapieren
  • dass mit diesen Erkenntnissen eine geschlechtsspezifische Behandlung möglich wird und damit insbesondere die Benachteiligung der Frauen verringert wird.

Auch erwarten wir, dass sich die insgesamt sehr hohen Belastungen des Gesundheits- und Sozialwesens z.B. durch teure Therapien bei schweren Krankheitsverläufen, Arbeitsunfähigkeitszeiten und Frühberentung reduzieren, zumindest aber begrenzen lassen. (s.u.)

Wie wir unsere Ziele erreichen

Die rheumatologischen Ärztinnen und Ärzte; ein Krankenhaus und eine Rehabilitationsklinik haben sich zu einem sogenannten sektorenübergreifenden Netzwerk zusammengeschlossen und nutzen RhePort.de, ein IT gestütztes Zusammenarbeitsportal. RhePort.de ist ein erfolgversprechender Ansatz, um mit vorhandenen Ressourcen effizient zu arbeiten, Wissen verfügbar zu machen und zu halten sowie zeitgemäße Versorgungsstrukturen aufzubauen.

Dazu besitzt das System RhePort.de zwei zentrale Anwendungen: ein RheumaPatientenAssistenzsystem (RPAS) und ein RheumaNetzwerkIntegrationssystem (RNIS).
Über RPAS können Patientinnen, Patienten und Primärversorger direkt über ein Diagnosescreening mit allgemeinverständlicher Symptomerfassung rasche Untersuchungstermine bei Fachärztinnen und Fachärzten für Rheumatologie erhalten. Darüber wird auch die Notfallversorgung bei akuten Krankheitsschüben geregelt. Umfassende Informationen für die Patientinnen und Patienten runden das Servicepaket ab.
Mit RNIS wird die Zusammenarbeit im Versorgungsnetzwerk optimiert.
Alle Netzwerkteilnehmer haben ihre Untersuchungs- und Therapieverfahren auf dem neuesten Stand der Wissenschaft konsentiert und als Qualitätsstandard für ihre Untersuchungen und Therapie festgelegt. Unter Einsatz der auf die rheumatologischen Qualitätsstandards zugeschnittenen elektronischen Fallakte (eFA) werden für alle Netzwerkteilnehmer nutzbar alle Untersuchungsergebnisse und Therapiemaßnahmen dokumentiert. Damit werden für die Patientinnen und Patienten ansonsten immer wiederkehrenden und ungünstigen Informationsverluste und Doppeluntersuchungen (z.B. Röntgen) vermieden. Die Ärztinnen und Ärzte können auf die vorherigen Ergebnisse zurückgreifen und damit effektiver arbeiten.

Warum Gesellschaft und Kostenträger von RhePort.de profitieren

Die volkswirtschaftlichen Folgekosten rheumatischer Erkrankungen sind erheblich. So sind im ersten Krankheitsjahr 76% der Patientinnen durchschnittlich 8 Tage pro Monat, d.h. 96! Tage im Jahr arbeitsunfähig geschrieben, abgesehen von den Produktivitätsausfällen am Arbeitsplatz wegen der mit der Krankheit einhergehenden Funktionsbehinderung.
Eine Frühberentung tritt bei 25 – 42 % der Betroffenen in den ersten 4 Krankheitsjahren ein. Die Berentungen steigen mit zunehmender Krankheitsdauer auf 43 – 85%. Dabei handelt sich oft um junge Menschen, die damit lange Jahre in der Wirtschaft fehlen und die Rentenkassen belasten. Die indirekten jährlichen Kosten durch Produktivitätsausfall belaufen sich auf ca. 10.600 € pro Person allein in den ersten drei Jahren. (1)

Je später eine Therapie bei rheumatischen Erkrankungen einsetzt, umso schwieriger ist sie zu gestalten und umso intensivere Maßnahmen sind einzusetzen, die dann zwangsläufig teurer sind. Alleine für Medikamente belaufen sich dann die Kosten auf 20.000 €/Jahr. Außerdem müssen inzwischen eingetretene Folge- und Kollateralschäden mit therapiert werden, als Beispiel seien u.a. Operationen bei entzündlich zerstörten Gelenken und ihre Folgebehandlungen als deutliche Kostenfaktoren genannt.

Über RhePort.de haben die Patientinnen und Patienten die Chance, eine frühe Diagnose und Therapieeinleitung zu erhalten. Damit hat die Therapie bessere Erfolgschancen und kann sich auf langfristig kostenextensivere Medikation stützen. Außerdem werden die Kollateral- und Folgeschäden vermindert oder sogar vermieden. Die dafür sonst anfallenden Therapiekosten, Ausfallzeiten der Erkrankten sowie Produktionsausfälle werden reduziert bzw. entstehen erst gar nicht.


Literatur (1):
Mau, W. Bereiche und Kosten der Fehl-, Unter- und Überversorgung von Patientinnen am Beispiel der rheumatoiden Arthritis.
Wissenschaftliches Gutachten die Enquetekommission „Zukunft der frauengerechten Versorgung in NRW“ des Landtages von Nordrhein Westfalen, vorgelegt am 18.2.2004


Ansprechpartner

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Dr. med. Wolfgang Vorbrüggen

Facharzt für Radiologie
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